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Online-Magazin zur UEFA-Fünfjahreswertung |
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Die Rotation der zweiten Garde
Hinter den fünf
großen europäischen Ligen (England, Spanien, Italien, Frankreich und
Deutschland) folgt eine ganze Reihe von kleineren Ligen. Diese „zweite Garde“
umfasst unter anderem Portugal, Russland, die Niederlande, die Türkei,
Griechenland und neuerdings auch Rumänien. Typisch für diese Ligen
ist ein großes internes Leistungsgefälle: hinter zumeist zwei oder drei
Vereinen, die im europäischen Vergleich absolut konkurrenzfähig sind, klafft
sofort eine größere Lücke. Die anderen Vertreter dieser Liga sind deutlich
schwächer und zudem in ihren Leistungen sehr inkonstant.
In der 5-Jahres-Wertung ist zwischen diesen Ligen seit vielen Jahren eine
turbulente Rotation zu beobachten. Rumänien, das innerhalb von zwei Spielzeiten von Platz 25
auf Platz 7 emporgeschossen ist, stellt hierbei zwar einen
Sonderfall dar, doch auch die anderen Vertreter dieser zweiten Garde legen in
der 5JW teilweise wahre Achterbahnfahrten hin. Griechenland war 1998 noch auf Platz 6, liegt
nun schon seit Jahren auf dem 15. Rang, scheint sich nun allmählich aber wieder
nach vorne zu schieben. Portugal, das zuletzt (hauptsächlich wegen des starken FC
Porto) jahrelang ein Abonnement auf Platz 6 zu haben schien, lag noch vor ein
paar Jahren ebenso stabil auf Platz 10.
Diese Schwankungen in der 5JW sind allerdings nur teilweise auf schwankende Leistungen
zurückzuführen. Mindestens ebenso ursächlich für diese Achterbahnfahrten ist
die Systematik der 5JW. Dieses Phänomen soll am Beispiel von Rumänien
dargestellt werden, auch wenn ausdrücklich darauf hingewiesen werden muss, dass
es sich hierbei aufgrund der extremen Sprünge um einen absoluten Sonderfall
handelt.
Noch im Sommer
2005 lag Rumänien in der 5JW auf dem 25. Rang. 15,457 Punkte standen
auf dem Konto, ein Wert, den das Land anschließend innerhalb eines Jahres mehr
als verdoppeln konnte. Dies verdankten die Rumänen neben starken Leistungen
aller drei Bukarester Vereine auch der Tatsache, dass man aufgrund der
schlechten Platzierung auch nur mit drei Vertretern in den Europapokal hatte
starten dürfen. Da in der 5JW die Gesamtzahl der Punkte durch die Gesamtzahl
der teilnehmenden Mannschaften geteilt wird, schlug jeder Punkt, den ein
rumänischer Verein holte, in der 5JW mit 0,333 Punkten zu Buche.
Hinzu kam der „Vorteil“, dass alle rumänischen Vertreter mehrere
Qualifikationsrunden hatten absolvieren „dürfen“. Die dort erzielten Punkte
zählten zwar weniger, doch angesichts der schwachen Gegner konnten die drei
Vereine aus Bukarest auch dort bereits kräftig das Punktekonto aufstocken.
Nach nur einer Saison hatte sich Rumänien also auf Platz 10 der 5JW
katapultiert. Nun jedoch kam ein weiteres Element dieser Wertung
ins Spiel: die
verzögerte Auswirkung.
Im Interesse der Planungssicherheit muss bereits vor Beginn einer
nationalen Saison feststehen, wie viele Europapokalplätze an ihrem Ende
vergeben werden. Daher gilt die 5JW am Ende einer Europapokalsaison nicht für
die nächste, sondern erst die übernächste Spielzeit.
Sprich: als die rumänische Liga im Sommer 2005 den Betrieb aufnahm, war das
gute Abschneiden der Vereine im Europacup natürlich noch nicht absehbar. Ebenso
wenig absehbar war, dass sich das Land in der 5JW auf Platz 10 würde schieben
können. Daher wurden in der rumänischen Liga in diesem Jahr auch nur 3
Europapokalplätze ausgespielt.
Damit ging
Rumänien im Sommer 2006, obwohl bereits auf Platz 10 der 5JW stehend, weiterhin
mit nur 3 Teilnehmern in den UEFA-Cup bzw. die Champions-League.
Und erneut begann das Punktesammeln – im Gegensatz zu allen anderen Nationen um
Platz 10 der 5JW herum – bereits in den ersten Qualifikationsrunden. Neben den
ausgezeichneten sportlichen Leistungen trug dies dazu bei, dass die drei
Bukarester Vereine auch 2006/07 wieder unfassbar viele Punkte für ihr Land
holen konnten und zwischenzeitlich sogar die Gefahr bestand, dass Rumänien
Deutschland in der 5JW überholen könnte.
Diese Gefahr (aus deutscher Sicht) scheint inzwischen abgewendet, was nicht
zuletzt daran liegt, dass die rumänische Liga wie alle Ligen der „zweiten
Garde“ nicht ausreichend homogen ist. Hinter den drei Bukarester Vertretern
klafft nämlich eine große Lücke. 2007 nämlich durfte Rumänien (dank des 10.
Platzes 2006) plötzlich mit 5 Vertretern international spielen. Doch weder CFR Cluj noch Otelul Galati überstanden die Qualifikation für den UEFA-Cup.
Dennoch wurde die Punktzahl aller Vertreter nun nicht mehr durch 3, sondern
durch 5 geteilt, die Punkte der Bukarester Teams waren also in der 5JW
plötzlich deutlich weniger „wert“. Dieser Effekt wird sich noch weiter
verstärken, wenn Rumänien in der Saison 2008/09 (wegen des 7. Platzes 2007) mit
mindestens 6 Mannschaften ins Rennen geht. (Hinzu kam, dass auch die Vertreter
aus Bukarest ein deutlich schwächeres Jahr erwischten).
Die aktuell gute Platzierung in der 5JW könnte sich für Rumänien also als
Problem für die Zukunft erweisen. Spätestens, wenn im Sommer 2012 das letzte
der beiden überragenden Jahre gestrichen wird, könnte Rumänien also wieder in
der Achterbahn sitzen. Diesmal jedoch würde es steil bergab gehen.
UrmelAusmEis